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Concert review: Schwäbische (Germany)

The French pianist Hélène Grimaud and the London Philharmonic Orchestra (LPO) under its chief conductor Edward Gardner were guests at the sold-out Graf Zeppelin House in Friedrichshafen as part of their extensive German tour and thrilled the audience with Brahms.

Friedrichshafen

Der Sehnsuchtston von Johannes Brahms

Hélène Grimaud und das London Philharmonic Orchestra sorgen in Friedrichshafen für ein volles Haus.


Die französische Pianistin Hélène Grimaud und das London Philharmonic Orchestra (LPO) unter seinem Chefdirigenten Edward Gardner waren im Rahmen ihrer ausgedehnten Deutschlandtournee auch im ausverkauften Graf-Zeppelin-Haus in Friedrichshafen zu Gast und begeisterten das Publikum mit Brahms.

Mit Johannes Brahms und seinem oft so sperrigen, dann wieder ungemein lyrischen Klavierwerk verbindet die Pianistin eine lebenslange Liebe, die auch in mehreren CDs oder in ihrem dritten Buch „Das Lied der Natur“ dokumentiert ist. Die Künstlerin widmet sich ja mit gleicher Leidenschaft dem Schutz der Wölfe und der Natur und dem Schreiben. Beim Auftritt in schwarz-silbernem Glitzeranzug und roten Schuhen wirkt sie ganz entspannt schlendernd, doch am Flügel taucht sie mit großer Präsenz und Konzentration in das wogende Zusammenspiel von Klavier und Orchester.

Edward Gardner, der britische Chefdirigent des Londoner Spitzenorchesters, musiziert die Orchestereinleitung mit geschärften, dramatischen Akzenten in den gezackten Motiven, er bereitet der Pianistin den Boden. So kompakt und vollgriffig der Klaviersatz bei Brahms auch sein mag, unter ihren Händen klingt er mühelos, dabei dicht, warm und rund. Die Kraft für lange Akkordpassagen steht ihr ebenso zur Verfügung wie weiche Arpeggien im Zusammenspiel mit den Bläsersolisten des Orchesters.

Im ersten Satz wirkt das Soloinstrument wie ein Teil des Orchesters, brillante Fanfaren leuchten am Schluss des Satzes auf. Das Adagio gestalten Grimaud, Gardner und das LPO wie eine selige Erinnerung, einen Traum, eine Idylle, in die sich freilich auch Schatten schieben. Gemeinsam schöpfen sie mit langem Atem aus der Fülle des romantischen Ausdrucks, mit reich differenzierten Trillerketten in beiden Händen bereitet die Pianistin das virtuos aufspringende Feuerwerk blitzender Passagen im Finalsatz vor. Auch im dichten Gewühl erreichen Grimaud und Gardner Transparenz, das Thema der Fuge erscheint genau konturiert, Solistin und Orchester schaukeln sich hoch im symphonischen Klang. Die Zugabe der Pianistin, die melancholisch getönte zweite Bagatelle des ukrainischen Komponisten Valentin Silvestrov, für dessen Werk sie sich ebenfalls immer wieder einsetzt, nimmt Brahms die Schwere und ist auch ein bisschen rätselhaft.

Wie beim Klavierkonzert hatte Brahms auch bei seiner ersten Sinfonie viele Selbstzweifel, die uns heute merkwürdig erscheinen, vor allem, wenn das Werk so blühend, dicht und organisch interpretiert wird wie jetzt vom LPO und Edward Gardner. Über dem steten Puls der Pauke breitet er die Spannungsklänge der Einleitung aus, führt die Streicher in großen Bögen und lässt die Linien der Holzbläser strahlen. In seiner Körpersprache ist der Dirigent angenehm klar und den Orchestergruppen zugewandt, kurze Motive und verschachtelte Steigerungen wachsen ineinander. Im langsamen Satz hebt sich die Solooboe über die beseelten Streicher, im dritten hört man die Orchestergruppen im feinen Dialog. Im Finale breitet Gardner die schönen Choralklänge in den Bläsern aus, sich das Orchester im großen gesanglichen Thema verströmen darf: Intensiv, atmend, beweglich zeigt sich der Klangkörper in seiner Geschlossenheit, bevor es mit dem fünften ungarischen Tanz ein letztes Mal herzhaft auftrumpft.

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